In einer Welt, in der Künstliche Intelligenz (KI) immer mehr unseren Alltag prägt, stellt sich eine entscheidende Frage: Lernen unsere Schülerinnen und Schüler nur, KI zu nutzen, oder lernen sie, KI zu verstehen und zu gestalten? Am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth haben wir die Antwort in einem ganz eigenen Weg gefunden: dem „Stiftland-Modell“.
Digitale Souveränität statt Cloud-Abhängigkeit
Viele Schulen nutzen heute KI-Dienste, die im Internet „versteckt“ sind. Man gibt Daten in eine Cloud ein und hofft, dass die Antwort stimmt. Wir am Stiftland-Schulhaus gehen einen entscheidenden Schritt weiter. Wir setzen auf digitale Souveränität.
Das Herzstück unserer technologischen Ausstattung ist unser eigener High-Performance Computing (HPC) Cluster. Dank einer wegweisenden Partnerschaft mit dem Technologiekonzern AMD betreiben wir ein eigenes, leistungsstarkes Rechenzentrum im Schulhaus. Das bedeutet: Wir nutzen lokale Sprachmodelle (wie Gemma4), die direkt auf unserer eigenen Hardware laufen.
Der große Vorteil? Unsere Daten bleiben bei uns. Wir sind unabhängig von großen US-Cloud-Anbietern und garantieren höchste Datenschutzstandards. Gleichzeitig lernen unsere Schüler die echte Hardware hinter der Software kennen – von der GPU bis zur Systemarchitektur.
Das Fundament: Logik vor Prompting
KI-Kompetenz beginnt nicht mit dem Schreiben von Befehlen (Prompting), sondern mit dem Verstehen von Logik. Deshalb legen wir einen massiven Fokus auf die Informatik-Grundlagen. Wenn fast 300 unserer Schülerinnen und Schüler am bundesweiten „Informatik-Biber“ teilnehmen, dann ist das kein Zufall. Wir bauen eine breite Basis aus algorithmischem Denken und Problemlösungskompetenz auf. Nur wer versteht, wie ein Algorithmus arbeitet, kann später die Funktionsweise eines neuronalen Netzes wirklich durchdringen.
KI als „Hybrider Lernpartner“
In der Unterrichtspraxis nutzen wir die KI als einen neuen, digitalen Assistenten – einen hybriden Lernpartner. Im Rahmen unseres Schulversuchs „proof“ verändern wir die Art und Weise, wie wir Leistungen feststellen. Wir schauen nicht mehr nur auf das fertige Ergebnis einer Prüfung, sondern begleiten den gesamten Lernprozess.
Wenn ein Schüler in einer komplexen Physikaufgabe feststeckt, kann die lokale KI sofort als Tutor unterstützen, während die Lehrkraft sich um andere Gruppen kümmert. In den MINT-Fächern nutzen unsere Lehrkräfte zudem innovative Methoden wie „Vibe-Coding“, um durch KI-Unterstützung in Sekundenschnelle interaktive Simulationen und Visualisierungen zu erstellen – für einen Unterricht, der so dynamisch ist wie die Technologie selbst.
Von der Software zur Hardware: Die Verbindung zur Realität
Unser Modell endet nicht am Bildschirmrand. Durch Projekte wie den 3D-Druck im Rahmen des EU-Projekts „TransAC“ verbinden wir digitale Intelligenz mit der physischen Welt. Unsere Schüler entwerfen digital und lassen ihre Ideen durch additive Fertigung Wirklichkeit werden.
Das Stiftland-Modell ist unser Versprechen an die nächste Generation: Wir bereiten unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur auf eine KI-geprägte Arbeitswelt vor – wir geben ihnen die Werkzeuge in die Hand, diese Welt verantwortungsbewusst, kreativ und souverän mitzugestalten.