„Für jedes Problem gibt es eine Lösung – wenn nicht, muss man es akzeptieren.“, so ein Grundsatz von Bärbel Kießlings Großmutter Anna Spitzer, der als Maxime aus deren Leben entstand und ihr Verhalten wohl prägte.
Anna Spitzer wiederum prägte ganz offensichtlich ihre Enkelin Bärbel Kießling. Diese widmete ihrer Großmutter das autobiografische Buch „Die Kindsmagd“, welches Gegenstand der Lesung war, für die die bildende Künstlerin und Autorin Bärbel Kießling aus Marktredwitz gewonnen werden konnte. Sie brachte aber nicht nur den Text für die Schüler und Schülerinnen der neunten Jahrgangsstufe mit, sondern auch einen Schemel, welcher ihrer Großmutter in Tirol als Kind wie auch als Erwachsene als Alltagshelfer diente, wenn ihre Körpergröße für verschiedene Tätigkeiten nicht ausreichte.
Die gebürtige Berlinerin Bärbel Kießling wurde zur Zeit des Zweiten Weltkrieges zu ihrer Großmutter nach Tirol gebracht, wo sie eine geschützte Kindheit verleben konnte.
Bevor sie mit der Vorstellung ihres Buches begann, wurde sie begrüßt und anhand von Fotografien zu ihren Werken im öffentlichen Raum vorgestellt, auch wenn sie im Vorfeld betont hatte, dies nicht zu ausufernd zu gestalten, damit sie über mehr Zeit mit den jungen Leuten verfügen konnte. Wichtig war ihr jedoch, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass man seine Weichen im Leben immer wieder selbst stellen kann, was die heute über 80-Jährige etwa mit 60 tat, indem sie im Anschluss an ihre berufliche Tätigkeit als Lehrerin für Bürokommunikation über vier Jahre lang ein Kunststudium an der Akademie Faber-Castell bei Prof. Wrisch absolvierte und als freischaffende Künstlerin abschloss. Über mittlerweile viele Jahre wirkt sie als solche, regional wie international bekannt und gewürdigt, oft zusammen mit ihrem Ehemann, dem Künstler Horst Kießling. Dank ihrer Experimentierfreude und Kreativität entstehen und entstanden – auch im öffentlichen Raum – immer wieder Plastiken, eine Vielzahl an Gemälden und autobiographische Bücher.
Mit ihrer packenden Darstellung des harten Lebens in der Landwirtschaft hat sie mit „Die Kindsmagd“ gleichzeitig eine persönliche Liebeserklärung an ihre Großmutter und ein Zeitzeugnis geschaffen. Ihre Oma, die von ihrer Enkelin „Muata“ genannt wurde, musste bereits als Elfjährige ihr Zuhause verlassen, um als Kindsmagd an einem anderen Bauernhof zu dienen, wo sie nicht als Kind gesehen wurde.
Bärbel Kießling trägt den Lebensmut ihrer Großmutter als Erbe in sich.
Martina Schmelzer