Das Sommerkonzert des Stiftland-Gymnasiums war geprägt von der Verabschiedung Hermann Heinrichs als langjährigen Leiter der Big Band. Nicht zuletzt deswegen genossen die zahlreichen Zuhörer trotz hoher Temperaturen den Konzertabend und spendeten am Ende reichlich für die Instrumentensammlung des Stiftland-Gymnasiums.
Das Orchester eröffnete mit einer festlichen Renaissance-Intrade von M. Franck. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter Matthias Weiser spielte das Ensemble unter der Leitung von Stefanie Heinrich Uti vår hage, ein schwedisches Volkslied (zu Deutsch: Blaubeeren blühen im Garten so schön). Das innige Musizieren und die Reflexion von OStR Matthias Schmidkonz über den Liedtext – sowohl im Sinne der schwedischen Kultur als auch im metaphorischen Sinn als sehnsüchtiges Lied – stimmten die Zuhörer nachdenklich. Zum Abschluss erklang die Filmmusik zu How to train your dragon. Die jungen Musikerinnen und Musiker begeisterten mit sicherer Intonation und raumfüllender Klangschönheit.
Nun bot das Konzert Einblicke in das vielfältige kammermusikalische Wirken des Gymnasiums. Theresa (11b) und Katharina (Q12) Ziegler sangen, am Klavier begleitet von Andreas Sagstetter, Tell him. Dieser romantische Song wurde in der Interpretation von Barbara Streisand und Céline Dion berühmt. Die beiden Schwestern sangen ebenso harmonisch und hingebungsvoll miteinander. Anschließend wippte das Publikum mit, als Simeon Franz (Q12) am Akkordeon und Julia Schwartling (9a) am Schlagzeug Slapstick musizierten. Der Komponist Hans-Günther Kölz bezeichnete dieses virtuose Stück selbst als „Nummer, die an die Akkordeon-Swingmusik vergangener Zeiten erinnert“. Mit dem Schulensemble Blasmusik-Beben kehrte dann die bayerisch-böhmische Musikkultur in das Kettelerhaus ein. Die Böhmische Liebe animierte die Zuhörer sogar zum Mitklatschen beim letzten Refrain.
Unter der bewährten Leitung von Andreas Sagstetter bildete der Mittel- und Oberstufenchor einen gelungen Abschluss vor der Pause. You’ll be in my heart, ein Song von Phil Collins entführte die Zuhörer in die Disney-Welt des Films „Tarzan“. Zum Träumen regte auch das Duett A million dreams der Geschwister Theresa und Katharina an. Und stimmungsvoll ging es weiter mit dem Ohrwurm Beauty and the beast aus der gleichnamigen Verfilmung. Die Sängerinnen und Sänger begeisterten mit ihrer sanften und dennoch präsenten Stimmgebung. In die Pause wurde das Publikum mit dem Michael Jackson Hit Heal the world entlassen. Ein Lied aus dem Jahr 1992, welches nicht aktueller sein könnte und das Publikum tief beeindruckte.
Nach der Pause gehörte die Bühne einigen Lehrkräften des Stiftland-Gymnasiums. Auf Initiative und unter der Leitung von Andreas Sagstetter (Klavier) besangen sie mit Here comes the sun förmlich die heitere Atmosphäre, die trotz brütender Hitze auf der Bühne und im Saal herrschte. Stefanie und Hermann Heinrich begleiteten hier die Kollegen mit Violine und Kontrabass. Danach hätte es kein geeigneteres Lied als Weit, weit weg, im Original gesungen von Hubert von Goisern geben können. Voll im Klang und mit guter Aussprache der singenden Lehrkräfte leitete dieses mundartliche Lied in den abschließenden Teil des traditionellen Sommerkonzertes über.
Dieses verfolgten nämlich alle Beteiligten mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Hermann Heinrich, der die Big Band seit 21 Jahren leitet, nahm mit dem heutigen Abend Abschied als Ensembleleiter des Stiftland-Gymnasiums. Übernommen hatte er das damals sehr junge und auch kleine Ensemble von Referendar Marco Siebenlist, der als Saxophonist prädestiniert für diese Aufgabe war. Seit dieser Zeit hat Hermann Heinrich die Big Band immer weiter aufgebaut – sie ist regelmäßig Höhepunkt der Schulkonzerte. Schulleiter Matthias Weiser würdigte seine vielfältige Arbeit und dankte ihm u.a. für sein außergewöhnliches Können und hingebungsvolles Engagement.
Ein lachendes und ein weinendes Auge bekam auch Hermann Heinrich selbst, als die Big Band ihn mit Final Countdown überraschte. Die jungen Musikerinnen und Musiker und zahlreiche ehemalige Schülerinnen, Schüler und Gäste waren auf der Bühne zusammen gekommen, um ihrem „alten Lehrer“ die verdiente Ehre zu erweisen. Andreas Sagstetter, der die Big Band ab September übernehmen wird, dankte zunächst seinem Kollegen Hermann Heinrich und überreichte ihm einen aus Pflanzen gesteckten Violinschlüssel. Drei rote Rosen – Symbol für die enge Freundschaft der drei Musiklehrer - schmücken das Kunstwerk. Dann zeigte Herr Sagstetter sich bereits bei seinem ersten Auftritt als „Leader“ schwungvoll und souverän.
Was nun folgte war ein Abschiedsfest voller Elan und Musizierfreude: Hermann Heinrich dirigierte seine „big Big Band“. Tuxedo Junction, ein Klassiker aus dem Jahr 1940 von Glenn Miller, ließ alle den nahenden Abschied vergessen. Zum Mitswingen schön, gewohnt lebendig dirigiert von Hermann Heinrich, ernteten die Musiker und sein Leiter bereits nach dem ersten Stück tosenden Applaus. Auf Green Doplhin Street, einen der eingängigsten melancholischen Jazz-Standards folgte der von lateinamerikanischer Musik durchdrungene Hit Tequila. Spätestens jetzt war dem Publikum klar, dass Hermann Heinrich es versteht, alle Facetten der Musik mit seinen Musikern herauszuarbeiten, detailreich und klangschön zu musizieren, wie es bei Schulensembles selten ist. Beim folgendem New York, New York mussten manche Zuhörer innehalten, um nicht voller Begeisterung lauthals mitzusingen. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als die wunderschöne Interpretation und das für Hermann Heinrich so charakteristische Dirigat zu genießen. „This is the End“ lauten die ersten Worte, die Frau StRin Jennifer Frank bei Skyfall, einem der James Bond Titelmusiken, mit ihrer überragend schönen Stimme ins Mikrofon hauchte. Es folgte ein von Hermann Heinrich dirigentisch angetriebener Klangrausch, bei dem Jennifer Frank und die Big Band alle Register zogen und ihr Bestes gaben.
Kein Wunder also, dass Skyfall ein zweites Mal erklang, bevor die gesamte Schulfamilie mit einem lachendem – und einem weinenden – Auge das Ende dieses wohl noch lange nachwirkenden Konzertes feierten.
Stefanie Heinrich